“Bestseller-Autorin Hegemann schreibt bei Blogger ab”

15 03 2010

Eine brandakturelle Diskussion, auf die ich gerade im BücherTreff gestoßen bin!

Meine Meinung dazu ist eindeutig. Im Zeitalter des Datenklau und des Musikkopien ist es für mich nicht wirklich etwas neues, dass nun auch ganz offiziel die Literatur beklaut wird (Hegemann hat mittlerweile öffentlich zugegeben, von einem Berliner Blogger abgeschrieben zu haben). Legal ist das natürlich nicht und eine große Sauerei, dass Fräulein Hegemann trotz allem immer noch in den Himmel gelobt wird und ihre Tat (denn es ist ja eindeutig eine Straftat) unbestraft bleibt. Das ist purer Hohn gegenüber allen rechtschaffenen Autoren! Aber was soll ich mich darüber aufregen, ändern wird es sowieso nichts an der Situation.

Mehr zu diesem Thema findet ihr hier.





Frank Schätzing – Limit

18 02 2010

Mai 2025: Die Energieversorgung der Erde scheint gesichert, seit die USA auf dem Mond das Element Helium-3 fördern. Bahnbrechende Technologien des Konzerngiganten Orley Enterprises haben die Raumfahrt revolutioniert, in einem erbitterten Kopf-an-Kopf-Rennen versuchen Amerikaner und Chinesen, auf dem Trabanten ihre Claims abzustecken.

Während der exzentrische Konzernchef Julian Orley mit einer Schar prominenter Gäste zu einer Vergnügungstour ins All aufbricht, soll Detektiv Owen Jericho, den eine unglückliche Liebe nach Shanghai verschlagen hat, die untergetauchte Dissidentin Yoyo ausfindig machen. Was nach Routine klingt, ist tatsächlich der Auftakt zu einer albtraumhaften Jagd von China über Äquatorialguinea und Berlin bis nach London und Venedig. Denn auch andere interessieren sich für Yoyo, die offenbar im Besitz streng gehüteter Geheimnisse und ihres Lebens nicht mehr sicher ist.

Jericho muss sich mit der bildschönen, aber ziemlich anstrengenden Chinesin zusammentun, um den phantomgleichen Gegnern auf die Spur zu kommen. In einer Zeit, in der multinationale Konzerne der Politik zunehmend das Zepter aus der Hand nehmen, führen beide einen verzweifelten Kampf ums Überleben, gehetzt von einer Übermacht hochgerüsteter Killer. Die Suche nach den Drahtziehern führt mitten hinein in die Wirren afrikanischer Söldnerkriege, Machtkämpfe um Öl und alternative Energien, Vorherrschaftsträume on Weltraum – und zum Mond, auf dem Orleys Reisegruppe unvermittelt einer tödlichen Bedrohung gegenüber steht. (Klappentext)

Besser als dieser Klappentext hätte ich das Buch nicht zusammenfassen können! Es ist wieder einmal eine grandiose Geschichte, die Frank Schätzing dem Leser präsentiert, nichts desto  trotz jedoch sehr nahe an der Realität, auch wenn in der (nahen) Zukunft handelnd.

So beschreibt Schätzing eine mögliche Zukunftsvision, in der eine potentielle Alternative zu Rohöl, nämlich Helium-3 (das es auch tatsächlich auf dem Mond gibt, siehe hier), existiert. Und wie sollte es anders sein, streiten sich die Großmächte USA und China um diese wertvollen Ressourcen, ein Zustand ähnlich dem Kalten Krieg herrscht, bei dem sich beide Seiten gegenseitig belauern und nur auf einen Fehltritt des anderen warten. So scheint es zumindest, oder hat die „tödliche Bedrohung“, der sich Orleys Reisegruppe gegenüber sieht doch einen ganz anderen Ursprung?

Denn wer nun am politisch längeren Hebel sitzt ist meist nicht so klar. Sind es nun die multinationalen Konzerne, oder haben sich die Regierungen doch noch ein wenig Unabhängigkeit gegenüber jenen Welt beherrschenden Unternehmen bewahren können?

Viele Fragen also, die dieses Buch aufwirft, die aber alle (!) bis zum letzten Satz beantwortet werden. Und dabei lässt Schätzing dem Leser noch genug Freiraum, um selbst mitzurätseln, führt ihn zuweilen sogar auf eine falsche Fährte. Die Spannung geht eigentlich nie verloren.

Die zunächst zusammenhangslos erscheinenden Handlungsstränge um die Reisegesellschaft Orley und die Verfolgungsjagd um Owen Jericho und Chen Yoyo werden langsam zusammengeführt, sodass wirklich alles am Ende ins Bild passt.

Man muss natürlich gestehen, dass bei einem Werk von 1300 Seiten die Einführung der Charaktere, und es sind ziemlich viele, schon mal 300-400 Seiten dauern kann. Aber es lohnt sich wirklich durchzuhalten und dranzubleiben! Vieles, was mir am Anfang als unnütz und zusammenhangslos erschienen ist, ergibt später einen sehr großen Sinn. Außerdem hat Schätzing hervorragende Recherche betrieben, sowohl in Bezug auf Politik als auch Wissenschaft. Alleine die umfassenden Informationen, die der Leser über den Mond bekommt, machen das Buch schon lesenswert.

Und natürlich besticht es auch durch seine starken Charaktere, auf dieser großen Anzahl von Seiten hatte Schätzing aber auch wirklich genug Spielraum die Hauptcharaktere wunderbar darzustellen.

Es gibt einen kleinen Kritikpunkt, den ich nach so viel Lob noch anbringen möchte. An manchen Stellen hat Schätzing meiner Meinung nach zu viel gewollt, hat immer noch ein bisschen mehr Actionszenen reinpacken wollen, was das Buch aber eigentlich gar nicht nötig hat. Grade an diesen Stellen ist das Buch nämlich für mich dann etwas unglaubwürdig geworden und hat eher an einen Actionfilm erinnert. Allerdings waren diese Stellen sehr rar im Buch, sodass mir insgesamt der Lesespaß nicht abhanden gekommen ist.

Bleibt also Fazit nur zu sagen: unbedingt empfehlenswert! Wer sich für Politik, alternative Energien und Wissenschaft interessiert, ist hier sowieso an der richtigen Stelle. Aber auch sprachlich und charakteristisch befindet sich “Limit” auf einem sehr hohen Niveau. Man sollte sich auf jeden Fall nicht von den vielen Seiten abschrecken lassen. Zur besseren Übersicht über die Charakter ist übrigens am Ende des Buches noch ein Personenregister vorhanden, falls sich der Leser einmal im Charaktere Dschungel verlaufen sollte ;-)

5 von 5 Sternen

Verlag: Kiepenheuer & Witsch
1304 Seiten
ISBN-10: 3462037048
ISBN-13: 9783462037043





Lewis Feynman – Genetica

16 12 2009

“Dei sub numine viget” – unter Gottes Kraft blüht sie auf – steht unter dem Wappen der Eliteuniversität Princeton. Hier will Jason Steinberg seine Doktorarbeit in Molekularbiologie schreiben. Er genießt das Leben in Princeton in vollen Zügen, bis sein Doktorvater, Professor Richard D. Price, ermordet wird. Kurz darauf erhält Jason eine geheimnisvolle, verschlüsselte Mail des toten Professors und lässt sich auf ein riskantes Spiel ein, denn hinter den Kulissen der alt­ehrwürdigen Universität spielt man mit dem Erbe der Schöpfung… (Klappentext)

Ich habe bewusst die knappe Inhaltsangabe des Klappentextes gewählt, denn alles andere würde zuviel über den weiteren Verlauf der Geschichte aussagen. Es gibt so viele überraschende Wendungen!

Auf jeden Fall ist „Genetica“ ein Wissenschafts-Thriller der Extraklasse! Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass Feynman auf kleine Nebengeschichten in der Handlung verzichtet hat (wie sie mir zum Beispiel negativ in Eisfieber aufgefallen sind).  Das ganze Buch dreht ausschließlich um Genetik und der Lösung des Mordes an Doktor Price durch seine Doktoranden sowie des FBIs.

Außerdem bringt Feynman geschickt den ethischen Aspekt der Genforschung und Genmanipulation mit ein. So steht Hauptcharakter Jason Steinberg, obwohl begnadeter Molekularbiologe, der Genforschung nicht ohne gewisse moralische Vorbehalte entgegen. Dadurch kann der Leser sich gut selbst ein eigenes Urteil bilden und wird zum nachdenken angeregt. An manchen Stellen war mir schon schaurig zu mute, wenn ich an die Konsequenzen gedacht habe, die die Genforschung und -manipulation mit sich bringt.

„Es geht um die Frage des Umgangs der Gesellschaft mit ihren technischen Möglichkeiten, es geht um die Frage der moralischen Verantwortung der Wissenschaft. Dürfen wir in das menschliche Erbgut, so wie es die Natur hervorbrachte, eingreifen? Dürfen wir Gott spielen?“

Wie dieses Zitat aus dem Buch schon zeigt, geht es um ein heikles Thema, dass meiner Erachtens in der Zukunft noch für viele Diskussionen sorgen wird!

Die Lösung des Mordfalles ist in sich sehr schlüssig und nachvollziehbar dargestellt und wird auch erst auf den letzten Seiten aufgeklärt. Zwischendurch habe ich immer mal wieder geglaubt zu wissen, wer denn nun der Mörder ist. Den eigentlichen Anhaltspunkt dafür bekommt der Leser aber erst kurz vor Ende.

Der einzige, klitzekleine negative Aspekt für mich war, dass Feynman themenbedingt natürlich einige Fachbegriffe und Erklärungen genetischer Vorgänge verwendet. Dadurch dass ich mir im Allgemeinen sehr für das Thema interessiere und auch Biologie im Abi hatte, waren diese Passagen für mich natürlich einfach nachzuvollziehen. Für jemanden, der mit Genetik jedoch bisher nichts zu tun hatte, könnte es da schon schwieriger werden. Ich würde aber sagen, dass ein einigermaßen solides Basiswissen zum Thema Genetik ausreichen sollte, um die Lesefreude nicht zu sehr zu dämpfen. Auf jeden Fall sollte man sich dadurch nicht zu sehr abschrecken lassen! Man muss Feynman zu Gute halten, dass er die Verwendung der Fachausdrücke wirklich auf ein Minimum beschränkt und viele Umschreibungen benutzt.

Alles in allem ein sehr gelungener Thriller, genauso wie ich ihn mir Wünsche! Könnte auch durchaus als Vorlage für einen Film dienen. Actionreich und spannend bis zum Schluss! Leider ist es bei Amazon nur über einen privaten Händler erhältlich, bei buecher.de gar nicht. Eigentlich schade, denn es ist ein wirklich tolles Buch, das in keinem Regal fehlen sollte!

5 von 5 Sternen

Verlag: Shaker Media
319 Seiten
ISBN-10: 3868582142
ISBN-13: 9783868582147





Jodi Picoult – Neunzehn Minuten

1 11 2009

41IUt3YU1AL._SS500_Lacy Houghton hat es eilig. Soeben hat sie erfahren, dass es an der High School ihres Sohnes Peter im beschaulichen Sterling in New Hampshire ein Massaker gegeben haben soll. Ein Amokläufer hat zehn Schülerinnen und Schüler in den Tod gerissen. Jetzt will Lacy wissen, ob Peter eines der Opfer ist. Als ein Mädchen seinen Namen nennt, fragt sie, wo sie Peter Houghton finden kann. Und das Mädchen antwortet: „Er ist der, der schießt“. Für Lacy Houghton bricht eine Welt zusammen. Ebenso wie für den Rest des Ortes — und für Josie Cormier, die die Bluttat im Unterschied zu ihrem Freund Matt überlebt hat. In der Kindheit hat Josie die schützende Hand über Peter gehalten, wenn er in der Vorschule wieder einmal von seinen Kameraden gepiesackt wurde. Sie wäre eine perfekte Zeugin. Aber sie kann sich, wie sie sagt, an nichts erinnern… (Amazon)

Dies ist mein zweiter Picoult Roman gewesen. Und wieder ein sehr gelungenes Buch zu einem diskussionsträchtigem Thema: ein Amoklauf an einer US-amerikanischen Highschool. Das Buch beginnt direkt im „Massaker“. Die Kapitel wechseln ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit, sodass der Leser nach und nach die einzelnen Charaktere und deren Vergangenheit näher kennen lernt. Durch diesen Schreibstil sind die Charaktere wunderbar gezeichnet, ich konnte mich gut in ihre Situation hineinversetzen.
Ergreifend ist auch die Art, wie Picoult sowohl das Leid der Eltern verstorbener Kinder zeichnet, auf der anderen Seite aber auch das Leid, das Peter Houghton sein Leben lang erdulden musste. Ich war oftmals doch sehr ergriffen und wütend darüber, dass Peter so schlimm gemobbt wurde. Eine Entschuldigung für seine Tat ist dies natürlich keinesfalls. So war dann auch das Ende, was Peter betrifft, für mich nicht überraschend.
Außerdem ist Josie Cormier, Tochter der lokalen Richterin Alex Cormier, eine Hauptperson. Sie ist seit Kindestagen Peters einzige Freundin gewesen, hat sich später in der Highschool aber von ihm abgewandt. Warum also verschont Peter sie? Die Antwort auf diese Frage erhält der Leser erst im letzen Kapitel. Ein aufmerksamer Leser kann sich aber einige Aspekte über Josie bereits vorher zusammenreimen.

Last but not least wird natürlich auch die Familie von Peter beschrieben. Dabei legt Picoult besonderen Fokus auf Peters Mutter Lacy, die absolut fassungslos angesichts der Tat ihres Sohnes ist und sich selbst die Schuld an dieser gibt. Ihre Charakterdarstellung hat mich besonders überzeugt und an vielen Stellen gerührt. Ich wünsche keiner Mutter die Situation, in der sie steckt.

Alles in allem ein absolut empfehlenswertes Buch, mit Charakteren, die überzeugen, einer Thematik, die zum nachdenken anregt, und Spannung bis zur letzten Seite!

5/5 Sternen

Verlag: Piper
480 Seiten
ISBN-10: 3492050808
ISBN-13: 9783492050807








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